ANTHONY GRAVES


Anthony Graves

DER FALL

Anthony Graves ist ein am 29. August 1965 in Brenham (USA) geborener Afro-Amerikaner. Gemeinsam mit 2 Schwestern und 2 Brüdern wuchs er dort auf und besuchte die Public School bis zur 11. Stufe, anschließend absolvierte er seinen Militärdienst und arbeitete dann in einer Ölraffinerie nahe Houston.

Sportlich sehr aktiv und als Freund beliebt, galt er als hervorragender und in den Sportvereinen begehrter Baseballspieler.


Graves ist Vater von drei Söhnen - Terrell (12 Jahre), Terence (8 Jahre) und Alex (7 Jahre) - als er am 22. August 1992 des Mordes beschuldigt und verhaftet wurde. Er beteuerte stets seine Unschuld, glaubte an einen Irrtum.


Doch durch fatale Fehler seines jungen und unerfahrenen Pflichtverteidigers und einen Staatsanwalt ohne Interesse an der Wahrheit verbrachte Graves mehr als 14 Jahre im Gefängnis, davon 12 Jahre im Todestrakt von Polunsky Unit, Texas.


Der wahre Täter - Robert Carter - gestand den fünffachen Mord an einer texanischen Familie, woraufhin er hingerichtet wurde. Zuvor entlastete er Graves mehrfach, gab zu, dass er ihn unter massivem Druck des Staatsanwaltes fälschlich der Mittäterschaft bezichtigt hatte, weil sonst seine Frau als Mittäterin vor Gericht gebracht worden wäre.

Er beteuerte wiederholt, dass Graves nicht beteiligt war, zum Schluss auch eidesstattlich.


Der Staat Texas bestand jedoch weiterhin auf die Gültigkeit der Rechtskraft des gefällten Urteils. Die Wiederaufnahme des Verfahrens in Verbindung mit einer guten Rechtsvertretung war neben einer Begnadigung die einzige Möglichkeit für Graves, der Todesspritze zu entgehen, doch dafür fehlten ihm die finanziellen Mittel.


Weltweit bemühten sich Freunde und entschiedene Gegner der Todesstrafe um Anthony's Rehabilitierung. So wurde Marina Vorländer durch eine Weihnachtsaktion von Amnesty International auf Graves' Fall hingewiesen.

In diesem Zusammenhang wurde im Januar 2004 der Verein Great Charity Action e.V. Wiehl gegründet, um vor Ort auf den Fall aufmerksam zu machen, sowie Veranstaltungen und Spenden offiziell und transparent über die GCA zur Unterstützung und Finanzierung von Menschenrechtsorganisationen und Behörden vertreten zu können.


Vorländer betreute Graves seit 2001 - vor Ort und postalisch - und stand mit ihm im ständigen Kontakt.

Neben vielen ganzjährigen Aktionen - auch in Zusammenarbeit mit Amnesty International, Kirche, Politik und anderen sozial engagierten Vereinen - pflegte sie den Kontakt zu Presse und Medien.

Seit März 2003 wurden somit mehr als 12 Veranstaltungen mit teils großem, kulturellem Programm organisiert, um durch Spenden und Eintrittsgelder die enormen Anwaltskosten für Graves mitfinanzieren zu können.


Graves benötigte Hilfe, damit die Rechtsanwaltskanzlei eine Wiederaufnahme seines Falles vor dem Bundesgerichtshof bewirken konnte. Nur das Wissen von seiner absoluten Unschuld veranlasste die Rechtsanwälte, die Akte nicht zu schließen und weiter für ihn zu kämpfen. Jurastudenten des Innocent Project nahmen sich seiner Sache unter Leitung ihres Professors an. Mehr als 3 Jahre lang recherchierten sie in Graves' Fall und sammelten Beweise für seine Unschuld.


Im Jahr 2010 wurde Graves aus dem Gefängnis entlassen und besucht seitdem als entschiedener Gegner der Todesstrafe unterschiedliche Länder und Veranstaltungen, um seine Geschichte zu erzählen.